Nachbau des Blutkreislauf-Modells von Robert Mayer beeindruckt auch Ranga Yogeshwar

PräsentationNoch auf der Bühne haben sie Details perfektioniert, bevor sie das Modell des menschlichen Blutkreislaufs von Robert Mayer dem bekannten Wissenschafts-Journalisten Ranga Yogeshwar und 600 Gästen in der Harmonie präsentierten: die Lehrer der Wilhelm-Maybach-Schule Ronny Wolf, Ralf Kleinknecht und Harry Hauck. Sie haben Mayers Blutkreislauf-Modell nachgebaut, das die Druckverhältnisse in den Blutgefäßen zwischen Herz und Lunge veranschaulicht.

Dass Robert Mayer, der als einer der größten Söhne der Stadt Heilbronn gilt, den Energieerhaltungssatz entdeckt hat, weiß dort spätestens nach dem Gedenkjahr 2014 anlässlich seines 200. Geburtstags jeder. Stadtarchiv-Direktor Christhard Schrenk wollte beim Festakt zur Erstausgabe einer Robert-Mayer-Sonderbriefmarke – zu dem er Ranga Jogeshwar eingeladen hatte – aber deutlich machen, dass der Heilbronner Stadtarzt nicht nur als Physiker, sondern auch als Mediziner Hervorragendes geleistet hat. Modell eines menschlichen Kreislaufs 300x200Dafür ist das Blutkreislauf-Modell ein beeindruckendes Beispiel. „Mayer hat als Erster begriffen, wie der Herz-Lungen-Blutkreislauf funktioniert und diese Erkenntnis in einem Modell anschaulich gemacht“, erläutert Schrenk.

Zwar steht das Original-Modell im Haus der StadtgeschichtOriginal Stadtmuseume Heilbronn, funktioniert aber nicht mehr. „Da habe ich überlegt, welche Berufsschule das nachbauen könnte“, berichtet Schrenk. Die Maybach-Lehrer Ronny Wolf, Ralf Kleinknecht und Harry Hauck nahmen die Herausforderung an: Sie fotografierten das Original – zerlegen durften sie es nicht – und machten sich an die Arbeit. Weil sie – im Unterschied zu Mayer – kein Quecksilber verwenden konnten, haben sie das Modell leicht verändert. „Erst durch das Nachbauen haben wir gemerkt, was Robert Mayer geleistet hat“, sagt Harry Hauck. Für die damalige Zeit sei das Modell eine technische Meisterleistung gewesen. Mayer konstruierte es etwa 1850.

Lange wusste man im Stadtarchiv nicht, was es mit dem Modell auf sich hat. Erst 1969 habe sein Vorgänger im Nachlass Mayers eine Beschreibung entdeckt, die das Rätsel löste, so Schrenk. Dass das Modell wie eine Dampfmaschine anmutet, verwundert den Archivdirektor nicht. Es kennzeichne Mayer als Kind seiner Zeit. Das damalige Weltbild sei mechanistisch gewesen. Für Schrenk wird daran auch deutlich, dass es in der Wissenschaft „keine Objektivität, keine Wahrheit“ gibt. Gespräch mit JogeshwarErkenntnis sei immer bedingt durch das jeweilige Wissenschafts- und Wirklichkeitsverständnis.

Das Blutkreislauf-Modell von Ronny Wolf, Ralf Kleinknecht und Harry Hauck soll jetzt im Haus der Stadtgeschichte ausgestellt werden. Dass es abends oft spät geworden ist, bis der Nachbau fertig war, dafür hat die Maybach-Lehrer auch das Lob von Ranga Yogeshwar entschädigt. „Denn der lobt selten“, so Harry Hauck. (en)

Fotos vom Festakt mit Ranga Yogeshwar und Stadtarchiv-Direktor Christhard Schrenk: Stadtarchiv Heilbronn / B. Kimmerle; weitere Fotos: R. Wolf, K. Eckstein

 

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