Theaterseminarkurse zeigten "Die Letzte am Schafott"

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Nach zehn Hinrichtungen durch das Fallbeil hängt das Banner mit der Aufschrift „Freiheit. Gleichheit. Brüderlichkeit. Die Menschen sind und bleiben von Geburt frei und gleich an Rechten“ blutgetränkt auf der Bühne. Es ist ein brutales und zugleich sehr sprechendes Bild, das am Ende der Aufführung „Die Letzte am Schafott“ steht. Die Dramatisierung dieser Novelle von Gertrud von le Fort haben die beiden Theaterseminarkurse des Technischen Gymnasiums der Wilhelm-Maybach-Schule in diesem Schuljahr auf die Bühne gebracht.

Die Letzte am Schafott – das ist die junge Nonne Blanche, die zur Zeit der Schreckensherrschaft der Französischen Revolution in ein Karmelitinnenkloster eintritt, um ihre „Angst und Schwäche Gott übergeben zu können“. Aus Furcht vor dem Tod versteckt sie sich zunächst, findet schließlich aber doch den Mut, sich hinrichten zu lassen, als ihre Mitschwestern wegen gegenrevolutionärer Rede den Tod durch die Guillotine finden.

Sie alle hatten das Gelübde des Martyriums abgelegt, die für sie einzig mögliche Antwort auf eine Jakobiner-Obrigkeit, die Klöster als „Nester von Ausbeutern und Verrätern“ betrachtete, Kirchenbesitz verstaatlichte und den Karmelitinnenkarmel, wie alle anderen Orden auch, auflöste. Nicht nur die heute erneut aktuelle Thematik der Religionsfreiheit machte die Aufführung eindringlich; ebenso die immer wieder von den Nonnen gestellte Frage, wo Gott ist bzw. warum er so unbarmherzig ist.

TheaterplakatDie Inszenierung (Regie: Holger Eisfelder) prägten kurze, atmosphärisch dichte Szenen, die getragen wurden von den schauspielerischen Leistungen der Schülerinnen und Schüler, insbesondere der fünf Nonnen-Hauptrollen (Nursema Yilmaz, Kübra Ugurlukoc, Stephanie Fuß, Erika Palnau und Vildan Ük) und des Kommissars (Efren Castro Nazco), der die Willkür der blutigen Terrorherrschaft beeindruckend bedrohlich verkörperte.

Das von den Schülerinnen und Schülern gestaltete Bühnenbild war in seiner schlichten Funktionalität besonders wirkungsvoll: Einfache Regale bildeten unter anderem zugleich die karge Einrichtung der Klosterzelle, Klostermauer und Kerker. Ihr vielfältiges Talent stellten die 19 beteiligten Schülerinnen und Schüler im Rahmen der Seminarkursarbeit (Mentoren: Holger Eisfelder, Hans-Jakob Eckert-Schwegler) aber nicht nur auf der Bühne und für das Bühnenbild unter Beweis, sondern auch bei der Gestaltung von Programmheft und Kostümen sowie bei der Betreuung von Technik, Catering und Management. Für ihr Engagement wurden sie mit standing ovations belohnt. (en)

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