Wirtschaftsministerium, Stadt Heilbronn und regionale Firmen fördern WMS als Standort einer „Lernfabrik 4.0“ mit 814.000 Euro

csm Stadt Heilbronn ac05695121Die Wilhelm-Maybach-Schule wird Standort einer „Lernfabrik 4.0“. Das Wirtschaftsministerium stellt dafür 300.000 Euro zur Verfügung. Die Stadt Heilbronn als Schulträger unterstützt die Ausbildung für eine digitalisierte Arbeitswelt mit rund 441.000 Euro, regionale Unternehmen beteiligen sich mit 73.000 Euro.

„Das ist ein großer Gewinn für unsere Schule. Damit können wir Auszubildende in Elektro-, Metall- und IT-Berufen und unsere Techniker noch besser als bisher für die Industrie 4.0 qualifizieren“, freut sich Schulleiter Dieter Thumm über die Bewilligung des Projektantrags, der zusammen mit der kaufmännischen Gustav-von-Schmoller-Schule beim Ministerium für Wirtschaft und Finanzen gestellt wurde, um technische und wirtschaftliche Inhalte miteinander zu vernetzen.

Ministerialdirektor Michael Kleiner (auf dem Foto ganz rechts) hat die Finanzierungszusage am 23. Januar im Neuen Schloss in Stuttgart an Schulleiter Dieter Thumm, die Schulleiterin der Gustav-von-Schmoller-Schule, Gabriele Tepaß, sowie an Bürgermeisterin Agnes Christner (auf dem Foto von links nach rechts) überreicht. Das Land fördert an beruflichen Schulen mit rund 4,85 Millionen Euro insgesamt 21 Lernfabriken, die bis zum Herbst 2021 entstehen sollen.

Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts zur „Lernfabrik 4.0“ an der Wilhelm-Maybach-Schule ist die Einrichtung eines verketteten Maschinensystems, das eine komplexe automatisierte Produktionsanlage abbildet. Das verkettete Maschinensystem besteht aus einem flexiblen Transportsystem, das Anlagen für Logistik- und Produktionsprozesse miteinander verknüpft, wie z.B. ein Hochregallager, eine Fünf-Achs-Fräsmaschine, Roboter und einen 3D-Drucker. Zunächst sollen mit der Anlage Duplosteine hergestellt werden, später ein kleiner Maybach, dessen Nummernschild als LCD-Display individuell programmiert werden kann.

Das Besondere an dem verketteten Maschinensystem ist, dass dafür Industrie- und nicht reine Lernkomponenten eingesetzt werden. „Uns ist maximaler Praxisbezug wichtig. Deshalb sollen die Schüler bei uns mit der Technik ausgebildet werden, die Standard in der Industrie ist“, erläutert Schulleiter Dieter Thumm das Vorhaben. Zudem werde das verkettete Maschinensystem flexibel erweiterbar sein, sodass es zusammen mit Betrieben, dualen Partnern, der Hochschule Heilbronn und von Schülern in Technikabschlussarbeiten stetig weiterentwickelt werden kann.

Neben dem verketteten Maschinensystem werden an der Wilhelm-Maybach-Schule zwei Grundlagenlabore ausgestattet. Darin lernen die Auszubildenden und angehenden Techniker zunächst einzelne Module aus dem verketteten Maschinensystem kennen und erarbeiten daran Themen wie zum Beispiel Steuerungs- und Regelungstechnik, Robotik und Vernetzung – jeweils auf dem neuesten Stand der Technik. „Die enge Verzahnung von Grundlagenlaboren und verkettetem Maschinensystem trägt dazu bei, die veränderten Arbeitsbedingungen in der Industrie 4.0 besser zu verstehen“, erklärt Schulleiter Thumm. Das jetzt bewilligte Geld werde vor allem für die Einrichtung der Grundlagenlabore und den Aufbau des verketteten Maschinensystems verwendet. Im Sommer 2020 soll die neue Anlage eingeweiht werden.

Betrieben werden soll das verkettete Maschinensystem mit einer integrierten Unternehmenssoftware, die alle betriebswirtschaftlichen Prozesse in den Bereichen Produktion, Einkauf, Verkauf, und Personal erfasst und steuert. Die Daten, die dabei generiert werden, will die Gustav-von-Schmoller-Schule im Berufskolleg Wirtschaftsinformatik und später auch in anderen Schularten für einen praxisnahen kaufmännischen Unterricht einsetzen. „Die Schülerinnen und Schüler erhalten durch die Lernfabrik einen ganzheitlichen Überblick über die gesamte Prozesskette und können dadurch entscheidungsrelevante Schnittstellen und Zuständigkeiten in der Produktion erkennen“, erläutert Schulleiterin Gabriele Tepaß die Vorteile. Das ermögliche den kaufmännischen Auszubildenden ein besseres Verständnis für digitalisierte Prozesse und damit einen nachhaltigen Lernerfolg. Die Kooperation mit der Wilhelm-Maybach-Schule fördere darüber hinaus einen Wissensaustausch zwischen den gewerblich-technischen und kaufmännischen Schülern.

Auch die regionale Wirtschaft profitiert von der „Lernfabrik 4.0“: Die Grundlagenlabore und das verkette Maschinensystem an der Wilhelm-Maybach-Schule sollen Handwerksbetrieben und kleinen und mittelständischen Unternehmen die Möglichkeit bieten, Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle unter dem Gesichtspunkt „Industrie 4.0“ weiterzuentwickeln. In Workshops, Vorträgen sowie Gesprächs- und Diskussionsrunden können sich Entscheider aus Unternehmen über aktuelle Entwicklungen im Bereich „Industrie 4.0“ austauschen und informieren. Ein Beirat wird die Kooperationen mit der Wirtschaft und der regionalen Wirtschaftsförderung koordinieren. (en)

Foto: Franziska Kraufmann

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